Das Pferd

Das Pferd kann urmenschliche Träume erfüllen aber auch viel Angst erzeugen.

Wer dieses Wesen von Grund auf versteht, kann sich sehr glücklich schätzen.

Hier wird ein Einblick in das Leben in freier Wildbahn, die natürlichen Aktivitäten und das im Jahresverlauf wechselnde Futterangebot von Mutter Natur gewährt.

Immer Bezug nehmend auf das Leben in der Natur werden hier die häufigsten gesundheitlichen Probleme beleuchtet.

 

Das Pferd in seiner natürlichen Umgebung

Auch bei diesem Tier muss man von den natürlichen Bedingungen ausgehen, d.h. man muss sich erst anschauen wie ein Pferd in seiner natürlichen Umgebung lebt. Im Allgemeinen kann man sagen, dass alles was dieser natürlichen Lebensweise zuwiderläuft, seine Gesundheit gefährdet.

Ein Pferd lebt in der Natur als Herdentier meist in einem Familienverband aus bis zu etwa zehn Pferden und verbringt seine Tage sehr gemächlich. Die Herde legt zwar teilweise große Strecken zurück , diese aber in einem gemütlichen Schritt mit ausgedehnten Fresspausen. Aktivitäten werden nur auf drei Arten gezeigt, dem Spielen der Jungtiere, dem Werben und Kämpfen der Hengste um die Stuten im Zuge der Fortpflanzung bei Stute und Hengst und natürlich bei der Flucht vor Bedrohungen. Wenn neue Mitglieder dazukommen gibt es außerdem noch Rangstreitigkeiten.

 

Die Ernährung besteht vorwiegend aus Gräsern unterschiedlicher Art, deren Nährstoffzusammensetzung im Verlauf des Jahres bezüglich des unterschiedlichen Bedarfs sowie der Aktivitätsschwerpunkte einer Pferdeherde bestens angepasst ist.

Fangen wir an im Winter. Da verhält sich eine Pferdeherde möglichst ruhig um Energie zu sparen. Die Tiere haben ein dichtes dickes Winterfeld und stehen eng beieinander wenn es kalt ist. Das Gras, das sie finden ist vertrocknet und entspricht in etwa Heu.

Es ist sozusagen Erhaltungsfutter.

Im Frühling, wenn die Tage länger werden, kommen die Fohlen zur Welt und die Stuten müssen diese gut mit Milch versorgen. Im Anschluss an die Geburten werden die Stuten der Rangfolge nach rossig und bereit zur Paarung. Mit Ihnen werden auch die Hengste aktiv, zeigen ihr Imponierverhalten, fechten untereinander heftige Kämpfe aus und die Hormonproduktion wird angekurbelt. Das Ziel ist die Bedeckung von möglichst vielen Stuten um die Fortpflanzung zu sichern. Dies alles erfordert eine sehr nährstoff- und eiweißreiche Ernährung, entgegengesetzt der in den Wintermonaten.

Und wie ein Wunder ist das erste Gras im Frühling genau diesem Bedarf entsprechend. Es ist reich an Eiweiß, Zucker und Fett, also das optimale Kraftfutter für stärkere Belastungen. In den Monaten danach sind die meisten Stuten trächtig und geben Milch für ihre Fohlen was eine gute Versorgung mit Nährstoffen erfordert. Und diese ist vorhanden in dem gehaltvollen Gras des Frühlings und Frühsommers.

Der Sommer kommt und aus kleinen Fohlen werden Jungtiere, die sich spielerisch viel bewegen, die Stuten sind trächtig und die übrigen Herdenmitglieder belegen Erziehungsaufgaben.

Im Hochsommer verändert das Gras komplett seine Zusammensetzung . Das Gras ist jetzt trockener und trägt Frucht d.h. auch Gräser tragen Ähren mit Körnern. Unser Getreide ist ja nichts anderes als eine Weiterentwicklung aus Gräsern.

Die Zusammensetzung verschiebt sich nun also von eiweiß-, fett- und zuckerreich zu stärke- und rohfaserreich.

Im Spätsommer und Herbst kommen zusätzlich noch Früchte dazu wie Nüsse, Obst und was die Natur so hergibt. Dies kann man als Vorsorge für den Winter sehen, es ist ein Zusatz aus Fett und Zucker, der das Fettdepot der Pferde für den Winter aufbaut sowie die Bildung des dicken Winterfells unterstützt.

Wenn man dies alles jetzt bedenkt und beachtet in unserer modernen Sportpferdehaltung, dann wird man so viel eigentlich nicht mehr falsch machen.

Auf ein Naturpferd bezogen, könnte man sagen, ein Sportpferd mit hoher Belastung lebt quasi konstant im zeitigen Frühjahr. Also in der höchsten Aktivitätsphase.

Daher sollte die Fütterung auch naturgemäß sein für diese Phase also eiweiß-, zucker- und fettreich! Da Zucker aufgeschlossene Stärke ist, kann der Zucker des Frühlingsgrases durch Getreide ersetzt werden.

Ein Pferd mit mittlerer Belastung müsste in Bezug auf die Natur im Sommergras gehalten werden, also ein Gras nach der Blüte, eine Mischung aus trockenem Gras und etwas Stärke, was Heu mit etwas Hafer zum Beispiel entspricht. Ebenso ist dies bei Jungtieren und trächtigen Stuten.

Und so schließt sich der Kreislauf der Fütterung. Was die Bewegung betrifft, ist ein Pferd ausgelegt auf eine konstante, ruhige Schrittbewegung über den Tag hinweg mit Ruhe- und Fresspausen.

Als Aktivitätsäußerungen gibt es beim Pferd Spiel, Imponiergehabe, Kampf und Flucht!

Spiel und Imponiergehabe sind lockere, gesunde und gewollte Bewegungen, Kampf und Flucht dagegen eine Not-Aktivität verbunden mit starker Verspannung der Muskulatur und möglichen Schädigungen von Sehnen, Muskeln, Gelenken und Knochen! Daher sollte die Bewegungen unter dem Reiter auch in die Richtung von Spiel und Imponiergehabe gehen. Fluchttendenz oder gar Kampf ist unerwünscht und schädlich und daher zu vermeiden um die Gesundheit des Pferdes nicht zu schädigen.

Dies entspricht auch in etwa unserer klassischen deutschen Reitlehre.

Schon Xenophon hat 365 vor Christus darauf hingewiesen, dass "sich ein Pferd erst in seiner ganzen Pracht zeigen kann, wenn es selbst schön sein will" also entspricht dies einer lustvollen, gewollten Bewegung, dem Imponier- oder Spielverhalten.

Man kann bei genauerem Hinsehen auch unter dem Reiter klar zwischen Flucht- , Kampf- , Abwehrverhalten und obigem Verhalten unterscheiden.

So schließt sich auch hier der Kreis.

Sehr zu beachten ist beim Pferd auch die Vermeidung chronischen Stresses, der sich unter anderem sehr schädigend auf das Magen Darm System des Pferdes auswirkt und nicht selten zu Magengeschwüren und wiederholten Koliken der Pferde führt.

Unabhängig von akutem Stress, der in Freiheit durch die starke Aktivität von Flucht oder Kampf vom Körper gut verarbeitet wird, tritt chronischer Stress bei einem Naturpferd nur auf, wenn es sich längere Zeit ungeschützt außerhalb der Herde befindet.

Auf ein Sportpferd bezogen, bedeutet dies, wenn das Pferd sich nicht als Herdenmitglied sieht, fühlt es sich permanent bedroht und alleine gelassen, was nicht seiner Natur entspricht.

Entweder man sorgt als Besitzer, Reiter oder Pfleger für das notwendige Herdengefühl was bedeutet , das Pferd muss sich in Obhut seiner Menschen unbedingt sicher und beschützt fühlen oder man hält das Pferd so, dass das es einen Herden-Freund aus seiner Gattung bekommt, der immer bei ihm bleiben kann und somit quasi eine Ersatzherde darstellt.

Nur auf diese Art wird chronischem Stress vorgebeugt.

Ein Sonderfall, der in der Natur so gut wie nicht vorkommt, ist akuter Stress, der nicht durch starke Aktivität verarbeitet werden kann. Dieser kann bei Wiederholungen sehr negative psychische Folgen nach sich ziehen. Es besteht dabei die Gefahr eines bleibenden Traumas.

Hiermit wären schon die Ursachen der wichtigsten und häufigsten Erkrankungen wie Lahmheiten und Magen Darm Erkrankungen und vor allem deren Vorbeugung angesprochen.

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Fragen & Antworten

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Frage gestellt am Montag, 29.04.13 um 21:09 Uhr

Hallo ixi,
mein Pferd hat, denke ich, einen klassichen "Einschuß" hinten rechts außen am Röhrbein, ein Euro große tiefe Schürfwunde, geht nicht lahm, Schwellung geht nach Bewegung gut zurück. Rivanolangussverband. Wie lange soll ich diesen belassen?

Danke :-)
Und das nächste Mal mache ich ein Foto, prima Idee

iXi's Antwort:

Hallo Cowgirl,
den "klassischen Einschuss" den Sie meinen, würde iXi eher als eine kleinere Wundinfektion bezeichnen.
Eine Phlegmone oder eben ein "klassischer Einschuss" ist eine tiefgreifende Entzündung des Bindegewebes und der Lymphgefäße durch Eiterbakterien. Die Ursache ist meist eine kleinere aber tiefe Verletzung, wie Stiche oder Schnitte, die oberflächlich schnell abheilen und den Bakterien durch den Luftabschluss eine günstige Vermehrungsumgebung bieten. Symptome sind starke Schwellung, leichtes Fieber, Lahmheit (wenn in Gelenknähe) und  Berührungsempfindlichkeit.  
Zur Behandlung mit Ethacridinlactat (Rivanol) als Angussverband ist nur so viel zu sagen, als dass es ein Antiseptikum ist, das allerdings heute nicht mehr beim Pferd zugelassen ist. Die Wirkung ist allerdings bei diesen kleineren Wundinfektionen sehr gut, da es durch das feuchte Milieu auch gleichzeitig abschwellend wirkt. Die Gefahr liegt bei dem Mittel in der potentiellen Hautreizung bei höherer Konzentration. Dies passiert alleine schon durch die Verdunstung des Wassers, in dem das Mittel gelöst ist. Wenn man dann noch die Verbände öfter benutzt, erhöht sich die Gefahr. Bei einer echten Phlegmone wirkt es allerdings nicht mehr, da diese Infektion als innerlich zu bezeichnen ist und ein Antibiotikum unerlässlich ist um der Zerstörung von Gewebe und Lymphgefäßen entgegenzutreten.
iXi meint, das Prinzip der Behandlung von Cowgirl ist richtig aber man kann solche kleineren Wundinfektionen auch auf verschiedene Arten antiseptisch behandeln, z.B.auch mit Jod. Zur Kühlung reicht auch einfaches Wasser, sei es als Angussverband oder Wasserschlauch.
Viele Grüße von iXi

 

Frage gestellt am Freitag, 29.03.13 um 20:23 Uhr

Hallo iXi,
habe eine Stute, die demnächst abfohlen soll.
Gibt es ausser einer Videoüberwachung und einem Wehenmeldergurt noch eine Möglichkeit, die nahende Geburt zu erkennen? Habe mal was von Temperaturmessung gehört. Wie genau geht das?

iXi's Antwort:

Hallo Loewenzahn,
Das ist richtig, es gibt eine Überwachung, die auf Temperaturmessung beruht. Dazu muss man aber 3mal täglich, am besten alle 8 Stunden Temperatur messen. Durch den Progesteronabfall bei Beginn der Geburt, also kurz vor den ersten Wehen, sinkt die Körpertemperatur ganz deutlich. Während sie im Tagesverlauf so um ein paar Zehntelgrad schwankt, geht sie zu diesem Zeitpunkt ein halbes bis ein ganzes Grad herunter. Mit dem Messen sollte man aber schon eine Zeitlang vor der Geburt anfangen um das normale Niveau zu bestimmen.
Viele Grüße von iXi

 
 

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