Das Pferd in seiner natürlichen Umgebung

Wenn man dem Organismus entsprechend füttern möchte, muss man von den natürlichen Bedingungen ausgehen, d.h. man muss sich erst anschauen wie ein Pferd in seiner natürlichen Umgebung lebt. 

Hier eine kurze Zusammenfassung des Anfangskapitels in Bezug auf Fütterung des Sport- und Freizeitpferdes

Ein Pferd lebt in der Natur als Herdentier meist in einem Familienverband aus bis zu etwa zehn Pferden und verbringt seine Tage sehr gemächlich. Die Herde legt zwar teilweise große Strecken zurück , diese aber in einem gemütlichen Schritt mit ausgedehnten Fresspausen.

Die Ernährung besteht vorwiegend aus Gräsern unterschiedlicher Art, deren Nährstoffzusammensetzung im Verlauf des Jahres bezüglich des unterschiedlichen Bedarfs sowie der Aktivitätsschwerpunkte einer Pferdeherde bestens angepasst ist.

Im Winter verhält sich eine Pferdeherde möglichst ruhig um Energie zu sparen. Das Gras, das sie finden ist vertrocknet und entspricht in etwa Heu. Es ist sozusagen Erhaltungsfutter.

Im Frühling, wenn die Tage länger werden, kommen erst die Fohlen zur Welt und die Stuten müssen diese gut mit Milch versorgen. Im Anschluss werden die Stuten rossig und bereit zur Paarung. Mit Ihnen werden auch die Hengste aktiv, zeigen ihr Imponierverhalten, fechten untereinander heftige Kämpfe aus und die Hormonproduktion wird angekurbelt.

Dies alles erfordert eine sehr nährstoff- und eiweißreiche Ernährung, entgegengesetzt der in den Wintermonaten. Und wie ein Wunder ist das erste Gras im Frühling genau diesem Bedarf entsprechend. Es ist reich an Eiweiß, Zucker und Fett, also das optimale Kraftfutter für stärkere Belastungen.

In den Monaten danach sind die meisten Stuten trächtig und geben Milch für ihre Fohlen was eine gute Versorgung mit Nährstoffen erfordert. Und diese ist vorhanden in dem gehaltvollen Gras des Frühlings und Frühsommers.

Der Sommer kommt und aus kleinen Fohlen werden Jungtiere, die sich spielerisch viel bewegen, die Stuten sind trächtig und die übrigen Herdenmitglieder belegen Erziehungsaufgaben. Im Hochsommer verändert das Gras komplett seine Zusammensetzung . Das Gras ist jetzt trockener und trägt Frucht d.h. auch Gräser tragen Ähren mit Körnern. Unser Getreide ist ja nichts anderes als eine Weiterentwicklung aus Gräsern.

Die Zusammensetzung verschiebt sich nun also von eiweiß-, fett- und zuckerreich zu stärke- und rohfaserreich.

Im Spätsommer und Herbst kommen zusätzlich noch Früchte dazu wie Nüsse, Obst und was die Natur so hergibt. Dies kann man als Vorsorge für den Winter sehen, es ist ein Zusatz aus Fett und Zucker, der das Fettdepot der Pferde für den Winter aufbaut sowie die Bildung des dicken Winterfells unterstützt.

Wenn man dies alles beachtet und überträgt in unsere moderne Sportpferdefütterung, liegt man schon nicht so verkehrt. Auf ein Naturpferd bezogen, könnte man sagen, ein Sportpferd wird künstlich im zeitigen Frühjahr gehalten. Also in der höchsten Aktivitätsphase. Daher sollte die Fütterung auch naturgemäß sein für diese Phase also eiweiß- und fettreich mit etwas Zucker- bzw. Stärkezugabe.

Ein Pferd mit mittlerer Belastung müsste in Bezug auf die Natur im Sommergras gehalten werden, also ein Gras nach der Blüte, eine Mischung aus trockenem Gras und etwas Stärke, was Heu mit etwas Hafer zum Beispiel entspricht. Ebenso ist dies bei Jungtieren und trächtigen Stuten. Erst wenn die Fohlen geboren sind und die Stuten Milch geben, kommt das nährstoffreiche Frühlingsgras.

Und so schließt sich der Kreislauf der Fütterung.

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Fütterung von Sportpferden

Um ein Sportpferd individuell optimal zu füttern, muss man beurteilen können, ob dieses leichte, mittlere oder schwere Arbeit verrichtet. Das hört sich leicht an, gibt aber bei genauerem Überlegen oft genug Anlass für Verwirrung. Dazu ist es sehr hilfreich, wenn man über ein Grundwissen von Muskelarbeit verfügt.

Es gibt dabei zwei Arten und zwar die aerobe und die anaerobe Muskelarbeit. Bei der aeroben Muskelarbeit wird konstant Sauerstoff verbraucht und der Muskel wird trainiert aber nicht überlastet.

Unter etwa 150 Herzschlägen pro Minute, also bei gemäßigtem Training ohne schnelle Sprints und kurzfristige starke Anstrengung kann man bei einem einigermaßen trainierten Pferd ziemlich sicher sein, dass man in diesem Bereich liegt.

Die Energie hierfür wird über Sauerstoff und Nährstoffe die das Blut zu bieten hat, bereitgestellt.

Wenn ein Pferd vorwiegend in diesem Bereich gearbeitet wird, entspricht dies leichter bin mittlerer Arbeit. Die optimale Ernährung erfolgt hierbei durch genügend Strukturfutter wie gutes Heu, etwas Öl und ein wenig Kraftfutter.

Das reicht im Allgemeinen. Der Pferdedarm kann die pflanzliche Zellulose mit Hilfe von Bakterien in freie Fettsäuren zerlegen. Diese stellen bei ausreichender Zufuhr etwa 25% der Energie zur Verfügung, die ein Pferd zum Erhaltungsbedarf benötigt. Pferde, die mit genügend Raufutter versorgt sind, haben ein ausreichendes Energiereservoir für aerobes Muskeltraining im Dickdarm, das man noch durch Zufütterung von Öl anreichern kann.

Fette mit hohem Anteil an kurzkettigen und ungesättigten Fettsäuren sind hoch verdaulich und eine ausgezeichnete Energiequelle für die aerobe Muskeltätigkeit, da die Fette gut zu speichern sind und zuerst verbrannt werden, bevor die Glycogendepots, (das ist die Speicherform von Glucose) der Muskeln angegriffen werden und es zu Ermüdungserscheinungen kommt. Der Pferdedarm muss allerdings lernen, höhere Mengen an Öl zu verdauen, also muss man es regelmässig füttern und langsam steigern bis etwa zu einer Menge von 2x1Tasse täglich.

Die anaerobe Muskelarbeit, die in der Natur der aktiven Flucht oder dem Kampf auf Leben und Tod vorbehalten ist, birgt auch ein gewisses Risiko der Muskel- und Sehnenschädigung und erfordert ein sorgfältigeres Management.

Diese Art von Muskelarbeit mit sehr schnellen und kraftraubenden Bewegung leisten Hochleistungssportpferde wie Spring- und Vielseitigkeits- und Rainingpferde in höheren Klassen, Rennpferde oder auch Dressurpferde in manchen Phasen.

Dies gilt als schwere Arbeit.

Es sind spezielle, Glycogenspeichernde blasse Muskelfasertypen dazu nötig, deren Anzahl genetisch festgelegt ist. In gewissem Rahmen kann man durch gezieltes Schnellkrafttraining erstens die Speicherkapazität dieser Fasern erhöhen und zweitens auch rote langsame Fasern in blasse schnelle umwandeln.

Hierbei wird statt Sauerstoff das Glycogen der Muskelfasern, das einen Notvorrat darstellt und zu dessen Herstellung es Stärke im Futter braucht, in Sauerstoff und Energie umgewandelt.

Als Abbauprodukt entsteht Laktat, also Milchsäure, dessen Anhäufung sehr schmerzhaft sein kann. Für dieses Training muss die Herzfrequenz deutlich über 150 Schläge pro Minute liegen.

Wenn die Glycogenspeicher der Muskelfasern entleert sind, ist die Ermüdung durch Muskelerschlaffung unübersehbar und es besteht akute Verletzungsgefahr vor allem für die Sehnen, die mit den Muskeln verbunden sind und von diesen nicht mehr ausreichend unterstützt werden können.

Nach der Entleerung der Speicher kommt es zu Eiweißabbau in der Muskelzelle und damit zur Schädigung des Muskels. Dies ist als "Kreuzverschlag" gut bekannt und kann auch in leichter Form auftreten!

Dies tritt besonders schnell auf, wenn die Pferde nicht speziell auf anaerobe Arbeit trainiert sind und durch Adrenalinausstoß noch zusätzlich im Flucht- oder Kampfmodus sind.

Außerdem braucht das Pferd nach akuter Muskelermüdung mindestens 2 Tage Ruhe, um die Glycogenspeicher der Muskeln wieder aufzufüllen.

Auf jeden Fall erfordert diese Art von Training eine stärkereichere Ernährung, da nur Stärke über Zucker in Glycogen umgewandelt wird. Jetzt braucht das Pferd deutlich mehr Getreide in Form von Hafer oder stärkereichem Kraftfutter. Eine Mischform von anaerobem und aerobem Training gilt als mittlere Arbeit bis schwere Arbeit, je nachdem welche Muskelarbeit vorherrscht.

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Handelsübliches Kraftfutter

Es gibt natürliches Kraftfutter wie Hafer, Gerste und Mais sowie industriell aufbereitetes wie Müsli, Pellets und Strukturfutter.

Das industriell aufbereitete erfreut sich hoher Beliebtheit, da hier vermeintlich alles drin ist, was das Pferd so braucht und dieses auch für alle Arten und Nutzungen des Pferdes angeboten wird. Neben der fast schon individuell zugeschnittenen Zusammensetzung sind auch Zusätze von künstlichen Vitaminen und Mineralien darin, die das Pferd scheinbar gut versorgen.

Ableitend von der menschlichen Ernährungwissenschaft empfehlen alle Wissenschaftler mittlerweile, keine künstlichen Vitaminmischungen zu sich zu nehmen, da keinerlei Nutzen erkennbar ist.

Daher ist es auch zweifelhaft, ob dies bei Pferden notwendig ist wenn die Grundfutterqualität stimmt und das Heu nicht zu alt ist. Im Gegenteil, der Organismus verlernt bei ständigem Überangebot die natürlichen Vitamine aufzunehmen.

Einzig das Calcium-Phosphor-Verhältnis ist zu ungunsten des Calciums verschoben bei hoher Kraftfuttergabe. Dies spielt aber nur eine Rolle bei Hochleistungspferden.

Dem Industriefutter sind außerdem noch Aromastoffe, Konservierungsstoffe und unter Umständen nicht zu deklarierende Geschmacksverstärker zugefügt.

Einzig das Strukturfutter besteht vorwiegend aus Gras/Heu/Luzernehäcksel, ist aber auch nicht frei von den übrigen Zusätzen.

Bei schlechter Heuqualität oder zu geringer Menge ist dies aber eine gute Zusatzfütterung.

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Natürliches Kraftfutter

Gerste wird in ganzer Form nicht richtig aufgeschlossen im Pferdedarm und sollte gut gequetscht, eingeweicht oder besser noch aufgebrüht werden.

Für Mais gilt das gleiche, wobei man diesen statt aufkochen auch poppen kann. Einzig Hafer kann in ganzer Form verfüttert werden, wobei aber auch er besser verwertet wird bei zumindest leichter Quetschung.

Hafer enthält als einziges Kraftfutter neben Stärke einen hohen Fettgehalt und ist daher ein Futter, das auch die Ausdauerleistung anspricht. Er ist nicht umsonst das traditionsreichste Pferdefuttermittel.

Allerdings enthält die Samenschale des Hafers ein Alkaloid, Avenin genannt, welches etwas anregend auf das Nervensystem wirkt (daher kommt wohl das Sprichwort: ihn sticht der Hafer!).

Es wird aber bei Gewöhnung an Hafer nicht mehr bemerkt.

Daher sollte man ein Pferd, das keinen Hafer kennt, langsam daran gewöhnen.

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Was meint iXi zur Fütterung des Pferdes

Da Sie ja jetzt ungefähr wissen, ob Ihr Pferd leichte (aerobe), mittlere ( aerob / anaerob) oder schwere ( anaerobe) Muskel-Arbeit verrichtet, können Sie Fertigfutter besser auswählen und nach Anleitung füttern. Wichtig ist immer eine gute Heugrundlage, was nach Expertenmeinung etwa bei 2kg pro 100kg Lebendgewicht liegt. Wenn einem Pferd dies zur Verfügung gestellt wird, muss man das Gesamtbild im Auge halten. Das Kraftfutter kann nämlich von 2 bis 5kg pro Großpferd variieren. Am besten, man schaut sich die Fettpölsterchen hinter der Schulter und auf den Rippen an. Was zuviel an Kalorien aufgenommen wird, wird zu Fett .. wie bei uns! Und für iXi ist ein natürliches Futtermittel immer einem Industriefutter vorzuziehen aber es steht ja nicht nicht auf dem Sack, wie viel man füttern muss! Auf jeden Fall sollte man kein Mineralfutter zusätzlich geben, wenn man Industriefutter füttert, denn in diesem sind zumeist genügend Zusätze dabei. Eine Überversorgung kann auch schädigen. Obst und Gemüse sind eine willkommene Abwechslung und für ein Pferd ebenso gesund wie für uns.

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Fragen & Antworten

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